Thesen für das Gelingen von Schulpartnerschaften

Die Erfahrungen aus unserer Zusammenarbeit mit Schulen, die Schulpartnerschaftsprojekte umgesetzt haben und die Erfahrungen im Rahmen der thematischen Schulnetzwerke, die vom Interkulturellen Zentrum betreut wurden, sind die Basis für folgende "Thesen" für das Gelingen internationaler Schulpartnerschaften:
  • Partnerschaft braucht Zeit

Partnerschaft ist eine Qualität, die in der Verantwortung aller beteiligten Schulen liegt. Sie ist nur in langfristiger Zusammenarbeit zu verwirklichen und bedarf der systematischen Förderung aller Akteure der Schulgemeinschaft. Partnerschaftliches Lernen braucht wechselseitiges Vertrauen, das sich nur langfristig entwickeln und vertiefen kann.
Erfahrungen zeigen, dass internationale Bildungsprojekte langfristig geplant werden müssen, um tatsächlich zu zufrieden stellenden Ergebnissen kommen zu können. Kooperationen zwischen Schulen benötigen etwa ein Jahr für das gegenseitige Kennenlernen von SchülerInnen, Schule und Land bevor SchülerInnenaustausch sinnvoll erscheint. Soll die Themenauswahl nicht einseitig definiert sondern kooperativ vorgenommen werden, so sind - auch bei Verwendung elektronischer Medien - mehrere Wochen dafür einzuplanen. Ebenso brauchen begleitende Reflexion und Evaluation, die Erfahrungen erst zu Bildung machen, ausreichend Zeit.

  • Gleichwertigkeit der Partner

Partnerschaften brauchen vielfältige Unterstützung und Förderung wie etwa rechtliche Rahmenbedingungen, curriculare Verankerung, Zustimmung der Schulbehörden, Zugang zu Unterrichtsmaterialien und Kommunikationswegen und finanzielle Mittel. Obwohl es sich in der Praxis als schwierig erweist auch in organisatorischer und finanzieller Hinsicht Gleichwertigkeit zwischen den Partnern herzustellen, lohnt sich doch der Versuch Beiträge und Unterstützung partnerschaftlich einzubringen. Dabei geht es nicht um eine exakte Aufteilung von Kosten, sondern um der jeweiligen Landessituation angepasste Formen der Beteiligung (Freistellung von LehrerInnen, Seminarorte, rechtliche Unterstützung usw.). Nach Möglichkeit sollten beteiligte Länder die Verantwortungen und das Engagement miteinander vereinbaren.

  • Gemeinsame Verantwortung

Die Gestaltung einer Schulpartnerschaft soll in gemeinsamer Absprache vereinbart werden, damit den spezifischen Bedürfnissen aller Beteiligten Rechnung getragen werden kann. Erfahrungen zeigen, dass Partnerschaftlichkeit und Stabilität von Schulkooperationen dann entstehen, wenn alle am Bildungsprozess Beteiligten (Lehrer/innen und Schüler/innen aus Ländern des Südens und des Nordens) an der Entwicklung des pädagogischen Konzepts mitwirken. Durch die Einbindung in alle wichtigen Entscheidungen entwickeln sich Identifikation mit den gemeinsamen Zielen und Motivation zur Zusammenarbeit.

  • Partizipation

Partnerschaft und Partizipation sind eng miteinander verknüpft. Das Prinzip der "Partnerschaft" zwischen Schulen verschiedener Länder baut auf der Qualität der Partizipation von Schüler/innen und Lehrer/innen in ihrer jeweiligen eigenen Schule auf. Bildungskooperationen brauchen einen inhaltlichen Fokus, um den sich die Zusammenarbeit der Schulen organisiert. Erfahrungen zeigen, dass sich Themen, die für alle Beteiligten relevant sind, wie etwa "Alltag und Familie", "Europa", "Menschenrechte", "Ökologie", "Frieden", "Zukunft", "Demokratie", "Kunst", "Bildung" aber auch "Tourismus", "wirtschaftliche Entwicklung" und "Architektur" am besten eignen.

  • Fächerübergreifende Kooperation

Die Nachhaltigkeit mit Enthusiasmus begonnener Projekte kann durch fächerübergreifende Zusammenarbeit zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen gesichert werden, insbesondere dann wenn auch Direktion und Elternvertretung die Partnerschaft unterstützen. Die Verankerung im Schulprogramm trägt zur Stabilität von Partnerschaften bei.

  • Vielfalt der Sprachen

Für Schulpartnerschaften gilt allgemein: Die Kommunikation soll im Mittelpunkt stehen, deshalb sollten neben der Arbeitssprache auch andere Sprachen verwendet werden, die entweder in der Schule unterrichtet werden oder in der multikulturell zusammengesetzten österreichischen Klasse sowieso gesprochen werden.

  • Message statt Medium

Nicht die technologische Potenz neuer Kommunikationstechnologien macht die Qualität internationaler Bildungskooperationen aus, sondern der transportierte Inhalt. Obwohl zunehmend mehr Schulen über E-Mailzugänge verfügen, die Kommunikation direkter und schneller machen, sollte dieses Medium nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Traditionelle Formen der Korrespondenz (Briefe und Pakete) haben als verlässliche Kommunikationsmittel längst nicht ausgedient.

  • Didaktische Vielfalt

Internationale Projekte brauchen je nach gesellschaftlicher und kultureller Situation unterschiedliche didaktische Ansätze. Was in einem Wiener Gymnasium als akzeptables pädagogisches Handeln gesehen wird, kann schon SchülerInnen in Sarajevo entmutigen, was Jugendliche in der Ukraine bewegt, lässt Kids in Salzburg kalt, usw. In jedem Falle: es gibt kein richtiges oder falsches Unterrichten - aber eine Kooperation mit LehrerInnen aus anderen Ländern kann neue Ideen hervorbringen und den Mut erzeugen, andere Lernformen auszuprobieren.